Gehirnfunktionen
und Kreativität
Kreativität findet – wie alle Denkprozesse – im Kopf statt. Das erscheint uns
heute selbstverständlich.
Dem war aber nicht immer so: Bis ins 15. Jahrhundert galt die von dem
griechischen Philosophen und Naturwissenschaftler Aristoteles (383-322 v.
Chr.) vertretene These, daß das Herz der Sitz des menschlichen Denkens und
Fühlens ist. Nach dieser Auffassung hat das Gehirn nur eine heute etwas
merkwürdig wirkende Aufgabe: Nämlich das Blut zu kühlen. Erst der flämische
Mediziner Andreas Vesalius (1514-1564) kam auf die Idee, daß Fühlen und
Denken im Gehirn stattfinden.
Obwohl die Wissenschaft seit dieser Zeit große Fortschritte gemacht hat und
besonders in unserem Jahrhundert die Kenntnisse über das menschliche
Gehirn beträchtlich zugenommen haben, ist dieses immer noch ein Rätsel. Die
Forscher bezeichnen es daher als „black box.“ Immer noch weiß man nicht ganz
genau, wie das Gehirn arbeitet.
Was ist Kreativität wirklich?
Angesichts einer unendlich komplexen Welt um uns herum ist unser Überleben
nur dann
gesichert, wenn wir uns eines Teils dieser Komplexität entledigen. Wenn wir die
Welt
wahrnehmen, tun wir dies aufgrund von eingeübten Wahrnehmungsmustern und -schemata.
Das Wahrgenommene wird mit früher schon Erfahrenem verglichen und
meistens
in schon vorhandene „Schubladen“ abgelegt. In diesem Sinn ist unser Gehirn ein
selbstorganisierendes Informationssystem. Das Sortieren, Vergleichen und
Einordnen
des Wahrgenommenen, die Entstehung und Wiederbenutzung der Denkpfade
vollzieht
sich schon während des Wahrnehmungsprozesses. Das heisst: Wir betrachten
die Welt
nicht so, wie sie ist, sondern so, wie sie uns aufgrund unserer Wahrnehmungs-
und
Handlungsmuster erscheint.
Kreativ denken heisst: die vorgefertigten Pfade unserer
Wahrnehmungsroutinen
und Handlungsschemata verlassen. Die Fähigkeit dazu ist keine
Zauberei und keine
Zufallsgabe der Götter: Jeder kann sie erlernen und anwenden.
Siehe auch
Globales Lernen
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